my most authentic self
Als ich heute meine Twittertimeline um einem Ausweg bat, der Werbesendung für Sarrazins Buch bei Beckmann auf der ARD zu entkommen…
Würde jetzt gerne einen unfassbar guten TED talk hören! Jemand nen Tipp?
…erhörte mich Jens Best (an dieser Stelle empfehle ich übrigens seine wunderbare Arbeit zum Thema Google Streetview Protest Protest)
Und ich kann mich nur von Herzen bedanken. Ich wählte die zweite Rede und war sofort von dem Charisma und der exzellent, angenehmen Rethorik von Sir Ken Robinson gefangen. Er knüpft mit dieser Rede an seine erste vor vier Jahren an, die den Titel “school kills creativity” trug. Robinson sieht im Grunde eine zweite weltweite Krise neben dem Klimawandel heranrollen, die aber nicht mit dem Außen zu tun hat, sondern mit dem Innen. Eine Krise des menschlichen Geistes also.
Ich möchte ein etwas längeres Zitat aus seine Rede herausnehmen, dass für mich sehr gut den Kern der Rede repräsentiert:
“I meet all kinds of people who don’t enjoy what they do. They simply go through their lives getting on with it. They get no great pleasure from what they do. They endure it, rather than enjoy it, and wait for the weekend. But I also meet people who love what they do and couldn’t imagine doing anything else. If you said to them, “Don’t do this anymore,” they’d wonder what you were talking about. Because it isn’t what they do, it’s who they are. They say, “But this is me, you know. It would be foolish for me to abandon this, because it speaks to my most authentic self.”
Was für eine wunderbare Beschreibung dessen was mich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres dahin gebracht hat meinen Job zu schmeißen. Ich wollte mich schnellstmöglich auf die Suche nach meinem authentischen Selbst machen. Ich wollte eine Arbeit ausüben in der ich aufgehe, meine Grenzen austeste und mich dabei ständig erweitere und meine Fähigkeiten voll zum Einsatz bringen kann!
Ob ich das jetzt tue, kann ich nicht sagen. Es fühlt sich schonmal gefühlte 140% besser an als vorher. Ich habe fast freie Arbeitszeiten, bin näher an meiner Familien dran, kann eigene Projektideen vorrantreiben, treffe fast jeden Mittag wunderbare und interessante Menschen. Aber ich kann nicht sagen ob ich schon angekommen bin. Warum nicht?
Diese Frage trieb mich zu diesem Blogpost, ich kann diese also hier nicht vollständig beantworten. Aber es gibt eine Passage in der Rede die mich nachdenklich machte:
“And I was up in San Francisco a while ago doing a book signing. There was this guy buying a book, he was in his 30s. And I said: “What do you do?”
- “I’m a fireman.”
And I said: “How long have you been a fireman?”
- “Always, I’ve always been a fireman.”
And I said, “Well, when did you decide?”
- “As a kid. Actually, it was a problem for me at school, because at school, everybody wanted to be a fireman. But I wanted to be a fireman. When I got to the senior year of school, my teachers didn’t take it seriously. This one teacher didn’t take it seriously. I was throwing my life away if that’s all I chose to do with it, that I should go to college, I should become a professional person, that I had great potential, and I was wasting my talent to do that. It was humiliating because he said it in front of the whole class, and I really felt dreadful. But it’s what I wanted, and as soon as I left school, I applied to the fire service and I was accepted. You know, I was thinking about that guy recently, just a few minutes ago when you were speaking, about this teacher, because six months ago, I saved his life. He was in a car wreck, and I pulled him out, gave him CPR, and I saved his wife’s life as well. I think he thinks better of me now.”
Mit welchem Recht nimmt sich da ein Lehrer raus über die Pläne eines kleinen Jungen derart destruktiv zu reden und dann auch noch vor der ganzen Klasse? Unfassbar! Natürlich berührt mich diese Geschichte deshalb, weil ich an einigen Stellen parallelen ziehen kann. Ich möchte das gar nicht zu sehr an der Außenwelt festmachen, letztlich ist der Junge ja auch Feuerwehrmann geworden und dieser fast makabere Wink der Fügung, dass er eben diesem Lehrer das Leben rettet, setzt ja quasi ein Ausrufezeichen hinter diese Entscheidung.
Es ist meiner Meinung nach vielmehr so, dass nicht alle Kindheitsträume so klar sind oder nicht alle Fähigkeiten so klar in eine Richtung gehen das man weiß wo man hinmuß, was einen glücklich macht. Bei einem Musiker ist es die Musik entweder gespielt, komponiert/ gemixxt/ produced oder gesungen. Ein Tänzer weiß das er zur Musik tanzen muss und ein Lehrer bringt Tänzern und Musikern bei wie man dahin kommt. Aber ich bin der geborene Berater für Personalmarketing 2.0 und Enterprise 2.0? Mmhhh…
Ihr wißt worauf ich hinaus will? In der Business Welt ist es wesentlich schwerer seine wirkliche Passion und Fähigkeit zu finden, denn alles ist ständig in Entwicklung. Ein Programmierer muss ständig schritt halten mit den neusten Frameworks, ein Verkäufer mit den neusten Kundenwünschen, ein Investment- Banker mit den Kursschwankungen. Unsere moderne Berufswelt, die Welt des dunkelgrauen Tweets und der Krawatten ist so komplex, dass wir uns an die Gegebenheiten anpassen müssen und nicht umgekehrt.
Kennt ihr Karrieren von Empfangsdamen die gute Verkäufer geworden sind? Habt ihr schonmal nen Programmierer ins Marketing wechseln sehen? Eher selten, denn man ist ja teil eines Systems, muss funktionieren. Ok das hört sich jetzt schwer marxistisch an, aber die Enterprise- Zwonuller unter euch und Social Media Evangelisten verstehen den Punkt, oder?
Ich wünsche mir, dass Firmen, Konzerne und Märkte um Menschen herum augebaut werden und nicht um Prozeße, Gesetzmäßigkeiten, Effizienz. Ich glaube das wenn eine der vielen Firmen in denen ich bisher gearbeitet habe ein echtes Talentmanagement und echte Mentoren gehabt hätte, dann wäre ich der Suche nach meinem authentischem Selbst schon ein ganzes Stück näher gekommen.



