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Vom Aufgeben öffentlicher Identitäten

March6

Nachdem mein RSS- Reader mich pünktlich auf das Erscheinen der aktuellen Episode von Sixtus’ elektrischem Reporter hinwies und ich mir die Folge Digitale Identität: Das Ich im Netz gerade anschaute, anbei ein paar Worte von mir dazu.

Wie immer hat es das Team um Mario Sixtus geschafft wirklich gute Interviewpartner vor die Linse zu bekommen. Die Soziologin Danah Boyd gibt einige gute Impulse zu der Tatsache, dass bei der Erstellung von social network Profilen tatsächlich eine Reflexion über die eigene Persönlichkeit stattfindet und sich die meisten Menschen online authentischer als vielleicht vermutet geben.

Später sagt Sie dann auch etwas zu der Webhistorie die man im Laufe der Zeit hinterlässt:

“Man muss damit leben wer man gewesen ist, obwohl man sich verändert hat. All diese vergangenen Momente formen unser heutiges Ich. Je sichtbarer diese Entwicklungsschritte werden, umso mehr begreifen wir wie jemand wurde was er ist!”

Das dafür Onlinedienste existieren, die einem angeblich die Weste weißen sollen habe ich ja schon oft gehört, macht aber genauso wenig Sinn wie das Nutzen von Online- Pseudonymen wie “xyfsick123″ nicht nur zu Zeiten des Usenet. Spannender aber wird es an dem Punkt wo der kanadische Science Fiction Autor und Blogger Cory Doctorow zu Wort kommt und von der ”gesellschaftlich-kompatibel gespaltenen Persönlichkeit” die Rede ist:

“Man ist nicht der gleiche Mensch gegenüber seinem Partner der man gegenüber seinen Schülern ist und gegenüber seinen Schülern ist man nicht derselbe Mensch der man gegenüber seinem Arbeitgeber ist. Und diese Abgrenzungen, diese Membranen zwischen unseren Identitäten waren sehr wichtig. Doch das öffentliche Aufzählen unserer Freunde in social networks, lässt die Trennwände zwischen diesen Identitäten einstürzen!”

Mich interessiert dieser Punkt ganz besonders, denn ich hatte immer etwas dagegen mich verstellen zu müssen gegenüber meinen Kollegen, meinem Chef oder auch andersherum gegenüber meiner Familie und meinen Freunden. Und so ist es heute noch, obwohl ich natürlich weiß, dass ich ein Opfer der gesellschaftlich-kompatibel gespaltenen Persönlichkeit bin. Es ist z.B. wirklich traurig das ich zu diesem Zeitpunkt nicht offen über einige Punkte so Bloggen kann wie möchte.

Ja man sollte gewisse Grenzen einhalten, aber wenn ich sage das Verstellen nervt mich, meine ich eher das übliche “sich-mit-dem-Chef-Gutstellen” und die übliche Konzernpolitik die man meiner Meinung leider zwangsläufig beherrschen muss um Karriere zu machen. Derartiges Taktieren hat eher wenig mit mit Skill, Talent und Fleiß zu tun. Natürlich verstehe ich auch die Notwendigkeit für das dieses Quentchen an Bauernschläue, List und Taktik – ich habe nur etwas gegen das Ausruhen auf den so erhaschten Erfolgen und deswegen möchte ich dann ganz laut einen Spruch loslassen der zumeist genau von den vermeintlichen Füchsen genutzt wird die in den so erreichten Chefsesseln sitzen:

Nicht ist so langweilig wie der Erfolg von Gestern!

Gestern! Das ist so oft der Zustand den ich mir für so manche Missstände derer, die ich nicht müde werde anzuprangern wünsche. Lass es gestern sein wo so genannte Führungskräfte aufgrund schierer Politik und List befördert oder unberechtigt abgefunden werden. Lass es gestern sein wo die eigene Darstellung im Bewerbungsgespräch nur eine große Lüge in der beruflichen Karriere bleibt. Lass es gestern sein wo der Beruf als Deckmantel für gesellschaftlichen Status gilt. Lass es gestern sein wo echte Talente in der Buchhaltung versauern, während der Chef die Firma in den Ruin treibt. Denn das Morgen wird definitiv anders aussehen, ganz bestimmt!

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2 Comments to

“Vom Aufgeben öffentlicher Identitäten”

  1. On November 20th, 2010 at 01:23 Jormason » Blog Archive » Was ist hier los? Says:

    [...] Ich meine ich mag Hamburg, aber verdammt nochmal irgendwas stört mich. Ich habe es zum Teil in diesem Blogpost vom März schon niedergeschrieben und das aktuelle Bild von meinem Wohnungseingang das ich heute auf Google [...]

  2. On May 3rd, 2012 at 08:12 Meine re:publica 2012 Tag 1 | beginnersmind Says:

    [...] habe vor zwei Jahren nach einer Folge des elektrischen Reporters einmal über das Aufgeben von öffentlichen [...]

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