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renewal – meaning – movement

Maria, wem schmeckt das?

August30

Was für ein erfrischendes Filmerlebnis. “Maria, ihm schmeckt’s nicht!” ist eine italienisch- deutsche Komödie mit Christian Ulmen und Mina Tander in den Hauptrollen und thematisiert die Probleme und Wehwechen des Beginns einer binationalen Ehe. Besonders schön ist natürlich das die Geschichte des gleichnamigen Buches des SZ Magazin Chefredakteus Jan Weiler, auf biografischen Gegebenheiten beruht. Natürlich habe ich mich auch gefreut die italienische Version von “Kompliment” der Sportfreunde Stiller hier einordnen zu können. É massimo!

In jeden Fall ist es schön Filme zu sehen die einem als Paar gleichsam gefallen, auch wenn mein Schatz zum Schluß eingeschlafen ist. Naja der Tag war lang, das passt schon! Es reicht aber, denn viele der wunderbar dargestellten Szenen die in Verstrickungen vielfach gewundener Knoten aus familiärer, traditioneller und selbstverfreilich kultureller Probleme herrühren, konnte wir eins zu eins nachvollziehen.

Wir führen seit zehn Jahren eine turbulent, innig, intensive Beziehung die noch ein wenig weiter reicht als bis zum Schuhzipfel Europas. Ja, Brasilien ist ein ganz anderes Pflaster als Italien. Ich meine das gar nicht wertend, denn das geht auch nicht. Werten geht nicht wenn man zwei Kulturen in einer Beziehung vereinen will. Insbesondere nicht wenn der eine mit scheinbar skalpiermesserscharfem Realismus und der andere aus einem schier unerschöpflichem Quell an Urvertrauen an die Welt herantritt. Da lernen beide doch recht schnell das ein Verbiegen genauso unnütz ist wie ständiges Draufrumhacken auf dem blinden Fleck des anderen. Sonst sind zehn gemeinsame Jahre utopisch, ehrlich.

Es ist der normale Wahnsinn zwischen Mann und Frau, letztlich einer Beziehung zweier Menschen und dem Drumherum an Familie was dazu kommt auf das es ankommt. Natürlich ist die Familie meiner Frau um ein vielfaches größer als die meine. Als ich aus investigatorischem Interesse der Ahnenforschung heraus mit meiner Schwiegermutter versuchte nur ihre Familenseite niederzuschreiben, kamen wir auf eine zweistellige Zahl an Geschwistern, die nachfolgende Generation aufzunehmen fiel bereits schwer.

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment kurz nach der Hochzeit mit meiner Frau, als ich meinen Schwiegervater fragte ob er etwas dagegen habe, dass ich seine älteste Tochter nach Deutschland entführen würde. Wir saßen in der Heimatstadt meiner Frau in Candeal am Eck der kleinen Kirche, dort weht Abends immer ein besonders frischer Wind. Er schaute mich an und sagte: “Que deus quiser, tudo vai dar certo!” (So es dem Herrn gefällt wird alles gut gehen) Nicht das die Tatsache das wir an den Mauer einer Kirche saßen oder Religiösität meines Schwiegervaters diesen Moment so besonders machten, es war vielmehr der tiefenentspannte Blick aus seinen Augen der eine klar durchdringende Botschaft hatte.

Wenn ich mich ob des Film/ Buchtitels frage ob es mir schmeckt, dann kann ich nur sagen es geht für mich gar nicht mehr anders und schöner. Die Intensität ist mitunter heftig, aber ich schaue mittlerweile in die Augen unserer dreijährigen Tochter und ein weiß wir geben ihr ein wunderbares Geschenk mit. Die Fähigkeit sich in zwei Sprachen, auf zwei Kontinenten zu bewegen nämlich. Die Welt wird ein Stück kleiner, erscheint kompletter, alles ist näher und doch so fern und immer wieder neu.

Danke Jan für dein Buch und vielen Dank liebe Neele für diesen wunderbaren Film.

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6 Comments to

“Maria, wem schmeckt das?”

  1. On August 30th, 2010 at 01:18 David Philippe Says:

    Ich finde das Buch noch ein kleines Bisschen besser, als den Film. Aber du hast recht, beides sehr schöne Werke, die man genießen kann.

    Vielleicht noch ein kleiner Tipp: Das Hörbuch von Jan Weiler ist auch sehr schön und nur zu empfehlen, falls die Zeit fürs Lesen nicht reicht, oder auf einer Fahrt gemeinsam der Geschichte folgen möchte. Soweit ich weiß gibt es auch einen zweiten Teil. Mir fällt der Name nur gerade nicht ein.

    Schönen Gruß nach Hamburg!
    David

  2. On August 30th, 2010 at 08:45 Stefan Martens Says:

    Schöne Geschichte, evtl. solltet ihr es auch verfilmen lassen? :)

    Ihr erzieht eure Kleine zweisprachig, nicht wahr?

    Habt ihr euch dafür irgendwie informiert oder einfach drauf los erzogen?

    Einer meiner Ex-Profs ist Ami und seine Frau Deutsche. Er sprach stets English mit den Kids und sie deutsch. Bis die Kinder irgendwann nur noch mit der Mutter sprachen, weil sie keine Lust mehr auf’s Englische hatten. Da war die bilinguale Erziehung dann vorbei ;)

  3. On August 30th, 2010 at 10:09 Jörn Hendrik Says:

    Dank dir Stefan! Ja genau wir versuchen es definitiv zweisprachig. Mama brasilianisch und ich deutsch. Ich weiß auch nicht ob ich viel von der Theorie strikter Trennung der Sprachen bei Elternteilen halten soll. Wenn eine Konversation gerade im Fluss ist schalte ich mich auch auf portugiesisch ein und umgekehrt. Sie weiß auch genau mit wem sie was sprechen kann. Mit Oma und Opa nur deutsch (außer ein paar all time Klassiker wie “Chi-Chi” für Pinkeln oder “Suco” für Saft) und mit den brasilianischen Freunden portugiesisch…

  4. On August 30th, 2010 at 10:11 Jörn Hendrik Says:

    Cool Dank dir David. Ja gut gemachte Hörbücher finde ich immer super. http://amzn.to/9Zkij5 Es sieht auch ganz nach mehrstimmiger Inszenierung aus…

  5. On August 31st, 2010 at 20:26 siebenkilopaket Says:

    Wow, was für einen schönen, inspirierenden Artikel. Meine Gedanken hierzu in einem Kommentar unterzubringen würde den Rahmen hier sprengen – also habe ich es hier gemacht: http://www.siebenkilopaket.de/index.php/2010/08/30/das-binatonale-gluck/ :)
    Im Vergleich ist eine deutsch-italienische Beziehung wahrscheinlich ein Zuckerschlecken! :D

    Liebe Grüße

  6. On September 1st, 2010 at 11:20 Jörn Hendrik Says:

    Ich danke dir für diesen wunderbaren Antwortpost! Werde sofort kommentieren und bitte alle Leser es mir gleichzutun! ;)

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