Jormason

renewal – meaning – movement

my most authentic self

August31

Als ich heute meine Twittertimeline um einem Ausweg bat, der Werbesendung für Sarrazins Buch bei Beckmann auf der ARD zu entkommen…

Würde jetzt gerne einen unfassbar guten TED talk hören! Jemand nen Tipp?
@Jormason
Jörn Hendrik Ast

…erhörte mich Jens Best (an dieser Stelle empfehle ich übrigens seine wunderbare Arbeit zum Thema Google Streetview Protest Protest)

@ Sir Ken Robinson ist ein Evergreen. Beide Talks von ihm. #TED
@jensbest
jensbest

Und ich kann mich nur von Herzen bedanken. Ich wählte die zweite Rede und war sofort von dem Charisma und der exzellent, angenehmen Rethorik von Sir Ken Robinson gefangen. Er knüpft mit dieser Rede an seine erste vor vier Jahren an, die den Titel “school kills creativity” trug. Robinson sieht im Grunde eine zweite weltweite Krise neben dem Klimawandel heranrollen, die aber nicht mit dem Außen zu tun hat, sondern mit dem Innen. Eine Krise des menschlichen Geistes also.

Ich möchte ein etwas längeres Zitat aus seine Rede herausnehmen, dass für mich sehr gut den Kern der Rede repräsentiert:

“I meet all kinds of people who don’t enjoy what they do. They simply go through their lives getting on with it. They get no great pleasure from what they do. They endure it, rather than enjoy it, and wait for the weekend. But I also meet people who love what they do and couldn’t imagine doing anything else. If you said to them, “Don’t do this anymore,” they’d wonder what you were talking about. Because it isn’t what they do, it’s who they are. They say, “But this is me, you know. It would be foolish for me to abandon this, because it speaks to my most authentic self.”

Was für eine wunderbare Beschreibung dessen was mich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres dahin gebracht hat meinen Job zu schmeißen. Ich wollte mich schnellstmöglich auf die Suche nach meinem authentischen Selbst machen. Ich wollte eine Arbeit ausüben in der ich aufgehe, meine Grenzen austeste und mich dabei ständig erweitere und meine Fähigkeiten voll zum Einsatz bringen kann!

Ob ich das jetzt tue, kann ich nicht sagen. Es fühlt sich schonmal gefühlte 140% besser an als vorher. Ich habe fast freie Arbeitszeiten, bin näher an meiner Familien dran, kann eigene Projektideen vorrantreiben, treffe fast jeden Mittag wunderbare und interessante Menschen. Aber ich kann nicht sagen ob ich schon angekommen bin. Warum nicht?

Diese Frage trieb mich zu diesem Blogpost, ich kann diese also hier nicht vollständig beantworten. Aber es gibt eine Passage in der Rede die mich nachdenklich machte:

“And I was up in San Francisco a while ago doing a book signing. There was this guy buying a book, he was in his 30s. And I said: “What do you do?”
- “I’m a fireman.”
And I said: “How long have you been a fireman?”
- “Always, I’ve always been a fireman.”
And I said, “Well, when did you decide?”
- “As a kid. Actually, it was a problem for me at school, because at school, everybody wanted to be a fireman. But I wanted to be a fireman. When I got to the senior year of school, my teachers didn’t take it seriously. This one teacher didn’t take it seriously. I was throwing my life away if that’s all I chose to do with it, that I should go to college, I should become a professional person, that I had great potential, and I was wasting my talent to do that. It was humiliating because he said it in front of the whole class, and I really felt dreadful. But it’s what I wanted, and as soon as I left school, I applied to the fire service and I was accepted. You know, I was thinking about that guy recently, just a few minutes ago when you were speaking, about this teacher, because six months ago, I saved his life. He was in a car wreck, and I pulled him out, gave him CPR, and I saved his wife’s life as well. I think he thinks better of me now.”

Mit welchem Recht nimmt sich da ein Lehrer raus über die Pläne eines kleinen Jungen derart destruktiv zu reden und dann auch noch vor der ganzen Klasse? Unfassbar! Natürlich berührt mich diese Geschichte deshalb, weil ich an einigen Stellen parallelen ziehen kann. Ich möchte das gar nicht zu sehr an der Außenwelt festmachen, letztlich ist der Junge ja auch Feuerwehrmann geworden und dieser fast makabere Wink der Fügung, dass er eben diesem Lehrer das Leben rettet, setzt ja quasi ein Ausrufezeichen hinter diese Entscheidung.

Es ist meiner Meinung nach vielmehr so, dass nicht alle Kindheitsträume so klar sind oder nicht alle Fähigkeiten so klar in eine Richtung gehen das man weiß wo man hinmuß, was einen glücklich macht. Bei einem Musiker ist es die Musik entweder gespielt, komponiert/ gemixxt/ produced oder gesungen. Ein Tänzer weiß das er zur Musik tanzen muss und ein Lehrer bringt Tänzern und Musikern bei wie man dahin kommt. Aber ich bin der geborene Berater für Personalmarketing 2.0 und Enterprise 2.0? Mmhhh…

Ihr wißt worauf ich hinaus will? In der Business Welt ist es wesentlich schwerer seine wirkliche Passion und Fähigkeit zu finden, denn alles ist ständig in Entwicklung. Ein Programmierer muss ständig schritt halten mit den neusten Frameworks, ein Verkäufer mit den neusten Kundenwünschen, ein Investment- Banker mit den Kursschwankungen. Unsere moderne Berufswelt, die Welt des dunkelgrauen Tweets und der Krawatten ist so komplex, dass wir uns an die Gegebenheiten anpassen müssen und nicht umgekehrt.

Kennt ihr Karrieren von Empfangsdamen die gute Verkäufer geworden sind? Habt ihr schonmal nen Programmierer ins Marketing wechseln sehen? Eher selten, denn man ist ja teil eines Systems, muss funktionieren. Ok das hört sich jetzt schwer marxistisch an, aber die Enterprise- Zwonuller unter euch und Social Media Evangelisten verstehen den Punkt, oder?

Ich wünsche mir, dass Firmen, Konzerne und Märkte um Menschen herum augebaut werden und nicht um Prozeße, Gesetzmäßigkeiten, Effizienz. Ich glaube das wenn eine der vielen Firmen in denen ich bisher gearbeitet habe ein echtes Talentmanagement und echte Mentoren gehabt hätte, dann wäre ich der Suche nach meinem authentischem Selbst schon ein ganzes Stück näher gekommen.

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2 Comments to

“my most authentic self”

  1. On August 31st, 2010 at 02:55 David Philippe Says:

    Jörn, ich kann dir nur zustimmen. Habe mir den Talk auch angesehen (nicht heute, sondern schon eher) und kann nachempfinden, was du meinst.
    Ich habe zwar keinen Job geschmissen, aber ein Studium nach 5 Jahren abgebrochen und etwas komplett anderes begonnen, weil ich erkannt habe, dass ich Chemie definitiv nicht als meinen Lebensinhalt ansehe. Ich wusste einfach, dass ich damit nicht glücklich werden würde, genauso wie ich jetzt, bzw. schon seit über einem Jahr, weiß, dass ich nun genau das richtige studiere, bzw. mache.

    Ich denke vor allem in Deutschland werden solche krassen Wechsel im Lebenslauf oft mit argwohn betrachtet. Viele sehen einen Makel darin, anstatt die Chance zu erkennen. Ich nutze mein vorheriges Studium, denn die Kenntnisse die ich mir dort angeeignet habe, besitze ich zum größten Teil noch. Chemie, Physik und Mathe sind mir also kein Fremdwort, mein analytischen Denken wurde gefordert und ich kann es nun in der Kommunikation nutzen. Ebenso wie deine vorherige Arbeit dir sicher an einigen Stellen zu Nutze sein wird.

    Gerade in einer Welt, die sich so schnell wandelt, sollten die Menschen sich erlauben dürfen, ihr “most authentic self” zu suchen und auch zu finden. Ich glaube ich befinde mich auf einem sehr guten Wege dahin und ich bin froh, dass du auf deinem Weg sehr gut vorankommst.

    In diesem Sinne eine gute Nacht. :)

  2. On August 31st, 2010 at 10:51 Jörn Hendrik Says:

    Wow und ich dachte ich schreibe das um die Uhrzeit für eine Leserschaft am nächsten morgen! ;) Danke dir!
    Auch ein spannender Weg von der Chemie zur PR. Vielleicht hast du als Weltenbürger ja noch ganz gute Erinnerungen an frühere Zeiten (Kindergarten/ Schule) außerhalb von Dt.? Ich finde vieles fängt mit der doch etwas engen Einstellung von richtig und falsch an, mit der sich z.B. der oben genannte Feuerwehrmann rumschlagen mußte. Mich würde interessieren ob die Lehr- Mentalität in anderen Ländern eine andere ist. Hier in Deutschland geht es zu oft sehr preußisch zu: Rotstift, rotes Lehrerheftchen die guten ins Töpfen, die schlechten ins Kröpfchen. Es wird korrigiert und mit dem Finger auf Fehler gezeigt, statt die Kinder zu ermutigen, es wachsen zu lassen. Feedback und Lob gibts als Note, nicht als tatsächlichen Teil der Lehrleistung. Ich habe solche und solche Lehrer gehabt. Meine Deutschlehrerin Frau Voigt z.B. war wunderbar, ich habe den Unterrricht (sie war auch meine Französisch Lehrerin) wirklich gemocht. Gleiches galt für meine Lehrer im Bereich Geschichte und Philosohpie, aber Mathematik war mir ein Greul. Das gab es leider niemanden der mir die Faszination der Algebra und finiten Elemente mit Begeisterung näher bringen konnte. So war das ständig mein Schwachpunkt.

    Anyway, good talk, nice concepts. Wir bleiben dran David, gell? ;)

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