Jormason

renewal – meaning – movement

Halloween

October31

Inspiriert von Shyamalans Meisterwerk “the village” das ich gerade auf Prosieben noch einmal schaute, schreibe ich endlich mal wieder etwas auf meiner ganz persönlichen Blogheimat. Die ersten Gedanken die mir kamen nachdem ich Shyamalans gefühlvoller und bildergewaltiger Vision folgte die von Gesellschaftsflucht, bemerkenswerter Konsequenz und archetypischer Hoffnung auf das Gute im Menschen erzählt, hielt ich in diesem Tweet fest:

Ein Meisterwerk das @ völlig unverstanden zu Halloween sendet. Der Durchschnittszuschauer kratzt sich den Kopf und öffnet nen Bier!
@Jormason
Jörn Hendrik Ast

Da haben sich die Redakteure mal einen richtigen Schocker zu bester Sendezeit an Halloween aussuchen wollen und sie hätten wohl besser “Signs” senden sollen. Denn “the village” ist kein Halloween Schocker den man vor einem Scream Award sendet. Die Geschichte des Universitätsprofessors Edward Walker der mit einigen entschlossenen Menschen eine Parallelgesellschaft fernab der Zivilsation gründet um noch einmal neu anzufangen, erzählt von anderen Dingen. Es ist die Hoffnung darauf das ein Wandel möglich ist, dass man mit einem klaren Kodex und Werten die durch das Schaffen eines Feindes “der Unaussprechlichen” quasi beschützt wird, in Frieden leben kann.

Was mir aber am besten gefällt ist die Feinfühligkeit mit der Shyamalan vorgeht. Kein Zeigefinger der die böse zivilisierte Gesellschaft verteufelt, die Konsequenzen und Folgen des Handelns der Älteren und Dorfgründer sprechen für sich selbst. Die wunderbare Ivy, von Geburt an blind, bahnt sich verbotenerweise den Weg in die nächste Stadt um ihren schwerverletzten Geliebten mit Medikamenten zu retten. Auf ihrem Weg trifft sie auf einen Ranger der ihr hilft und sie kann ihre Mission vollenden. In der letzten Einstellung wird die Entscheidung der Dorfgründer hinterfragt sich hinter einem Vorhang aus Lügen und Geschichten zu verstecken. Edward Walker läßt allen die Wahl das Spiel zu beenden, keiner spricht sich dagegen aus.

Ich lese darin eine sehr weise Botschaft: der Versuch bestehende gesellschaftliche Mißstände durch radikale Ansätze zu verändern, fördert selbige wieder zu Tage. Eine derbe Ironie für alle durchlittenen Anstrengungen, die dennoch Hoffnung beinhaltet. Das Weglaufen vor Problemen indem man versucht etwas entgegenzuhalten, ist nicht der Weg zu langfristiger Verbesserung. Wie der Weg genau aussieht vermag ich natürlich nicht zu beantworten, aber ich glaube es ist das Festhalten an den Werten die eine Gemeinschaft zusammenhalten und das unermüdliche Nachsinnen über Lösungen die an den Wurzeln der Probleme ansetzen. Der Weg selbst ist das Ziel, zum einen werden gangbare Lösungen gefunden werden und zum anderen sind Menschen die sich diesem Weg verschreiben selbst leuchtende Beispiele die inspirieren und andere mitnehmen. Der letzte Part zu größerer Veränderung liegt in dem tipping point der verschiedenen Gesetzmäßigkeiten folgt.

Ich glaube fest daran das auch einige wenige Menschen die Tropfen in dem Faß sein können das beim Überlaufen alle um sie herum mitreißt. Malcolm Gladwell hat es in seinem Buch brilliant beschrieben. Es sind Verkäuferpersönlichkeiten, Connectoren und Mavens die andere mitreißen können und einen Umschwung herbeiführen. Doch das dazu auch eine ganze Portion Mut gehört und ein langer Atem, dass zeigen viele Beispiele und für die Menschen in Shyamalans Film, hat diese Veränderung im Kleinen bestand.

An welchen neuralgischen Stellen man ansetzen kann um notwendige Veränderungen anzustoßen, dass ist nun wirklich nicht schwer zu erkennen. Die Frage ist nur wer und wann?

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2 Comments to

“Halloween”

  1. On November 1st, 2010 at 13:09 Jens Best Says:

    Ich habe mich immer gefragt, wie die “Dorfchefs” die überfliegenden Flugzeuge erklärt haben – aber das nur am Rande.

    Einen Moralentwurf oder auch besser einen Gesellschaftsvertrag, der abgeschlossen wird in Missachtung grundlegender menschlicher Freiheitswünsche ist das Papier nicht wert, auf dem er nie geschrieben werden sollte.
    Shyamalan zeigt einerseits diese Freiheitsstreben, andererseits auch die Fehlbarkeit, die jedem moralischen System innewohnt, dessen Herrschaftsstrukturen dem individuellen “Straucheln” unverhältnismässige Strafen entgegensetzt. Strafsysteme, die umso geringer ausfallen, je aufgeklärter eine Gruppe ist.

    Eine schönes Beispiel ist die Gruppe der Ba’ku aus “Star Trek – Der Aufstand” – Freiwilligkeit des Bleibens, Verpflichtung aus Einsicht und der bewusste Versicht auf Technik, die nur ihrer selbst willen verwendet wird. Zwar werden sie im Verlauf des Film dann fast so hilflos wie die Eloi aus “H.G. Wells Zeitmaschine” dargestellt, aber es ist doch spannend zu sehen, wie durch die Filmgeschichte die Idee einer Gruppen-Moralvorstellung immer wieder inspirirend reflektiert wird.

    Zu deiner Frage mit dem Tropfen im Fass, der einen langen Atem hat, melde ich mich heute oder morgen nochmal bei dir.

  2. On November 1st, 2010 at 13:27 Jörn Hendrik Says:

    Yay! Danke für deinen Kommentar Jens, großartig!
    Ja eine schöne Parallele ist das die du da zu den Ba’ku ziehst, insbesondere weil in diesem Star Trek Film glaube ich zum ersten Mal überhaupt die erste Direktive mißachtet wird (Die alten Kirk Star Trek Filme nicht mitgezählt)! ;)

    Melden immer gern! Freu mich!

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