Jormason

renewal – meaning – movement

Leidenschaft

December18

Heute habe ich mir wieder einmal seit längerem beim Brötchen holen auch eine Zeitung gekauft. Ich sage das völlig ohne Scham, zu selten komme ich dazu diese ausgebreitet riesigen Papiermassen eingängig zu studieren. Zu sehr bin ich daran gewöhnt meinen RSS-Reader auf iPhone und MacBook zu nutzen, zu sehr habe ich mich an die Share Buttons gewöhnt mit denen ich gelesenen Content auf den gängigen Plattformen teilen und dort diskutieren kann.

Umso besser das ich mich heute für den Tagesspiegel entschieden habe und über den Artikel “der dreißigjährige Sieg” von Anna Sauerbrey gestolpert bin. Ich bin wenig politisch, ich gehe zwar brav zu jeder Wahl und nehme meine Bürgerpflichten wahr, aber es ist mir einfach ein zu undurchsichtiger Sumpf aus Gesetzestexten, Abstimmungsrunden und leerem Gerede. Mir wird immer ganz schlecht wenn ich mich näher mit deutscher Politik beschäftige. Aber was Frau Sauerbrey da schreibt ließ mich nicht los und somit bin ich letztlich froh auf einem Printmedium über Politik gelesen zu haben.

Ich bin nämlich stinksauer über das was Sie da schreiben Frau Sauerbrey, denn ich habe mich beim Frühstück doch tatsächlich persönlich angesprochen gefühlt obwohl ich kein Politiker mit steiler Karriere wie Christian Lindner oder Kristina Schröder bin und voraussichtlich nie sein werde. Aber mit den folgenden Sätzen kann ich mich so wenig identifizieren wie irgendwas und deshalb wird es jetzt auch eine direkte Anrede in diesem Blogpost. Nun schreiben Sie ja von dem Scheitern der jungen Politiker hierzulande und leiten das mit diesem Satz ein:

Wer selbst zwischen dreißig und vierzig ist hoffte, die Jungen würden die herablassenden Bezeichnung als “Mädchen” oder “Boygroup” Hohn sprechen, würden beweisen, dass Erfahrung nicht alles ist, dass auch Energie und Ideen weit tragen. Doch die Republik schaut den Dreißigern beim Scheitern zu.

Hier haben Sie mich schonmal erwischt, denn unabhängig meines Berufstandes gehöre ich zu dieser Generation und war nun gespannt darauf Ihren Erklärungsversuch zu lesen:

Bei den heute Dreißigjährigen hat sich das Verhältnis von Leidenschaft und Augenmaß, von Gesinnung und Kalkulation umgekehrt. Wir sind eine weltveränderungsmäßig saturierte Generation. Die großen Ideen sind tot oder umgesetzt.

Was? Die großen Ideen sind tot oder umgesetzt? Wo denn? Und vor allem von wem? Ich hoffe ich interpretiere das Personalpronomen im zweiten Satz jetzt richtig und darf Sie Frau Sauerbrey zu dieser, unsere Generation zählen. Stehen wir als Generation nicht eher vor einem so großen Haufen Scherben den die letzten zwei Generationen hinterlassen haben, dass wir nur einfach nicht wissen wo wir anfangen sollen? Ich meine die Wirtschaft rennt von einer Rezession in die nächste, die Ideen der Urväter Europas drohen an der vermaledeiten Gemeinschaftswährung zu scheitern und zum Thema nachhaltiges Wirtschaften, Arbeiten und Leben fange ich besser nicht an, sonst wird da ein Mob draus. Aber noch viel schlimmer kommt es ja mit diesem Satz:

Wofür soll man noch brennen? Für die Minderung der kalten Progression? Für zwei oder drei Prozent mehr oder weniger Mehrwertsteuer?

Ich brenne vor allem für eine Zukunft in der meine Kinder und mindestens sechs Generationen nach ihnen auch noch in Frieden und mit den bisherigen konstruktiven Errungenschaften der Menschheit leben können. Dazu zähle ich selbstverständlich die Demokratie, nur hoffe ich das diese sich in sechs Generationen weiterentwickelt haben wird. Ich denke nicht das es solange dauert, denn ein Thema haben Sie in diesem Artikel ausgespart. Dabei hatten Sie es ja hier schon im Blick. Damit meine ich nicht persé die Piraten die ja selbst gerade etwas Wackeln sind.

Aber ich frage mich warum Sie diese Fragen so stehen lassen? Ist die Herführung nicht etwas knapp? Weltveränderungsmäßig saturiert? Ich meine es fängt doch jetzt gerade erst an oder bietet das Verweben der Wirtschaft auf mehr Ebenen als nur dem Im- und Export zwischen Nationen keine Reibungsfläche? Birgt die Veränderung der Gesellschaft durch die Vernetzung auf allen Kanälen nicht große Möglichkeiten. Ist die nicht mehr umzudrehenden Veränderung des Arbeitsmarktes durch vorher beschriebene Entwicklungen nicht eine wirkliche Herausforderung die auch Leidenschaft weckt?

Ich sage ja und zum Schluss Danke für Ihren Artikel liebe Anna Sauerbrey, ich werde öfters mal wieder Printmedien zu mir nehmen und natürlich Ihre Artikel in meinem RSS-Reader verfolgen. Ach und Danke für Weber, im Grunde ist das für mich ja der Wink hin zur Versöhnung.

Nichts ist für den Menschen als Menschen etwas wert, was er nicht mit Leidenschaft tun kann. (Max Weber, 1864 – 1920)

 

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2 Comments to

“Leidenschaft”

  1. On December 18th, 2011 at 22:45 Annakatrein Says:

    Erst einmal: schoen, dass sie unsere zeitung gekauft haben. Ich sehe vieles von dem, was sie schreiben, wie sie. Europa bewahren? Auf jeden fall. Die welt durch nachhaltigkeit schuetzen? Bin ich dabei. Aber das sind alles ideen, die das erreichte, vor allem unseren enormen wohlstand, schuetzen sollen. Neu, veraendernd, revolutionaer sind sie nicht. Ich glaube, der wunsch nach veraenderung treibt mehr an, als der wunsch nach sicherung des status quo.

  2. On December 18th, 2011 at 23:24 Jörn Hendrik Says:

    Und ich sage herzlichen Dank für Ihre Antwort!
    Status Quo bewahren? So geht Fortschritt mit Sicherheit nicht, absolut!

    Aber bitte geben Sie mir ein Stück Erleichterung, Ihr Artikel trug mehr Kritik an mangelnder Ausdauer von Lindner und Co als es Kritik an der Generation u40 war, oder? Anders kann ich ja den mahnenden Weber-Rahmen um den Artikel in der Metaebene nicht deuten…

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