Jormason

renewal – meaning – movement

Metazentralität

February15

Wir sind sozial. Menschen sind ständig dabei sich über, mit und durch ihre Mitmenschen zu definieren. Seit neustem machen wir das im Internet, das lässt sich nicht wirklich umdrehen, aufhalten oder umerziehen. Das will sicher auch niemand wirklich, ich meine unsere Großeltern finden es ja auch nicht seltsam das wir uns in Cafés zum Meinungsaustausch treffen. Ok diese Pappbecher sind vielleicht etwas seltsam. Finde ich übrigens auch.

Das Social Media aber hierzulande trotzdem auf soviel Widerstand stößt, aktuell bei Datenschützern und Politikern hat meiner Meinung nach nichts mit den menschlichen Eigenarten zu tun, ja auch nicht wirklich mit dem Unverständnis eines konservativen Geistes. Eigentlich haben Heveling und Weichert tatsächlich irgendwo recht. OMG ich habe es geschrieben. Aber ich stehe dazu, denn Facebook als Speerspitze der Social Media macht einen Fehler.

Naja eigentlich macht nicht Facebook diesen Fehler, sondern die tausenden von Dollar und Euros die in Medienbudgets für Werbung fließen und die Jungs auf dem Parkett die nen riesen Spaß mit dem Facebook IPO haben werden dieses Jahr. Sie verkennen ganz einfach die Tiefe des menschlichen Dranges zu sozialer Interaktion.

“the world has gone social. be part of it” prangt auf dem großen Banner des Facebook Standes auf der DMEXCO 2011 in Köln. “Wir müssen aufpassen das wir unsere User nicht verlieren mit Services die sie nicht wollen…” sagt Mark Zuckerberg. Und hier kommt meine ganz persönliche Glaskugelstunde für euch: Er wird sie verlieren.

Das Spiel mit den vermeintlich geliehenen Daten der Nutzer ist zu gefährlich und Medienagenturen sind immer noch Medienagenturen, Melkmaschinen die versuchen uns zu melken. Keine User-Kuh ist so lila und treudoof. Wissen verbreitet sich zu schnell und so grobe Schnitzer wie ganz aktuell der von Path ist brandgefährlich für die Branche.

Sie bestätigt genau das wovor Thilo Weichert warnt. Zwar glaube ich nicht das die Horrorszenarien des verbotenen Like-Buttons je Realität werden, aber die Diskussion ist obwohl sie mich als Freigeist und Social Media Enthusiasten zu schwierigen Emotionen verleitet sinnvoll und wichtig.

Ich glaube nicht daran das die momentane Facebook-Euphorie der Weisheit letzter Schluss ist. Die Relevanz der Plattform ist zweifelsohne hoch und wird noch lange bestand haben, aber nicht mehr als Social Network Monopol. Ich glaube das es eine neue Bewegung der Metazentralität geben wird, wenn ich mal ein neues Wort schöpfen darf.

In meinem Büro werde ich Zeuge eines aufgehenden Sterns am blauen Himmel von Facebook, Twitter und Dropbox. Die Idee des Eigentums ist uralt und stark, wir wollen im Grunde nicht das jemand anderes unsere Daten besitzt. Und im Falle von Facebook ist das ganz wörtlich zu nehmen. Ich hatte bisher kein Problem damit, als Social Media Aficionado nutze ich im Grunde jeden Service und erfreue mich den Vorteilen täglich. Aber alle genannten Unternehmen bieten nichts an was in Zukunft in irgendeiner Weise unique sein wird außer der Anzahl an auswertbaren Userdaten. Das Teilen von Daten, das Bekunden seiner Meinung und der Gedanke der kollaborativen Zusammenarbeit, um noch eine weitere Dimension zu öffnen, ist im Grunde eine Art von digitalem Grundrecht. Und wir haben gelernt damit umzugehen und man stelle sich vor, wir sind sogar bereit dafür zu zahlen.

Mit Metazentralität meine ich also das wir unsere eigene kleine Cloud haben werden, entweder bei uns im Flur neben dem Telefon oder angemietet bei einem Dienstleister unseres Vertrauens, dem Tante Emma Laden für unsere digitalen Daten etwa. Oder glaubt Apple tatsächlich das ich für das Speichern meiner iTunes Library jetzt auch noch jährlich Unsummen extra ausgeben werde?

Ich glaube es wird eine wie auch immer geartete Rückführung der Daten “näher” bei uns geben. Auch wenn es Cloud-Services geben wird die über die Kontinente verteilt Daten speichern, die Zeit in der wir bedenkenlos ALLES über die Freigabe unverschämter Apps auf Diensten posten wird ein Ende haben. Noch ist es irgendwie rebellisch mit foursquare einzuchecken, sein Essen auf Facebook zu posten und sein Shoppingverhalten via Pins offen zu legen. Doch diese in kleinem Kreis verprobten digital-sozialen Verhaltensweisen sickern durch. Plötzlich macht Thomas Gottschalk auch Twitter und Pro 7 hat Social Media Touchpanels für die Moderatoren wie selbstverständlich in die Casting Shows eingebaut.

Ok wie passt das zu einer verstärkten Zentralisierung des social Web? Ganz einfach, es macht auf lange Sicht einfach keinen Sinn sich ausgiebig mit chinesischen, südamerikanischen oder afrikanischen Usern auszutauschen wenn man nicht auch persönlich zueinander kommt. Menschen sind sozial und das geht und wird immer noch am besten von Angesicht zu Angesicht gehen. Wir lernen gerade wie wir Teile sozialer Interaktion auch digital zum Ausdruck bringen, aber das bedeutet nicht das wir die nächsten hundert Jahre allein die Serverfarmen von Facebook mit den unseren Daten füllen werden.

Die durch Science Fiction geschwängerten Ideen von digitalen Avataren im Cybernet sind eben nur Fiktion. Die Metriken des social Web werden in Stadteile zurückkehren, in Nachbarschaften und Arbeitsgemeinschaften von Coworking Spaces. Gespräche die nicht auch persönlich weitergeführt werden können, sind nicht tief genug und befriedigen den Menschen nicht  nachhaltig. Metazentralität heißt für mich das wir unsere Interaktion online spiegeln aber auch immer mit den Orten verknüpfen werden an denen wir leben. Das sich dabei auch soziale Sphären öffnen werden zwischen New York und Hamburg, angereichert mit hunderten möglichen Bekanntschaften die durch Social Media schnell und effizient vertieft werden können sind das “Meta” in meinem “Zentral”.

Also Facebook, du wirst nicht überleben wenn du diese Gedanken außer acht lässt. Wir Menschen sind soviel mehr als Statusmeldungen und Likes. Aber viel wichtiger ist das wir Gebrauch machen von unserer Fähigkeit das Netz “metazentral” zu nutzen uns nicht verunsichern lassen von Debatten die sich auf Politik und den einseitigen Interessen von Aktionären. Wir haben es in der Hand, das ist unsere Welt und wir können besser in eben dieser miteinander kommunizieren als jemals zuvor.

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4 Comments to

“Metazentralität”

  1. On February 15th, 2012 at 12:10 pjebsen Says:

    Meinst du mit den “Unsummen”, die das Speichern deiner iTunes-Library kostet, die 24,99 Euro für iTunes Match?

  2. On February 16th, 2012 at 09:33 Lesetipps für den 15. Februar | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 Says:

    [...] DINGSBUMS & KRITIK Metazentralität: “the world has gone social. be part of it” prangt auf dem großen Banner des [...]

  3. On February 16th, 2012 at 10:14 Jörn Hendrik Says:

    Ja lieber Peter! ;)
    Aber nicht nur für den Dienst von Apple, sondern für den für Dropbox, dann gibts ja nochwas von der Telekom, der Handyprovider biete auch Cloud Lösungen und natürlich will jede gute PM-PLattform auch Geld. Völlig Ok das da Geschäftsmodelle hinterstehen aber das geht auch ALLES aus einer Hand, die Daten bleiben direkt bei mir und es ist kostengünstiger. Der Satz versteht sich im Zusammenhand also eher als Kritik an der “dezentralistischen Denke” der Anbieter und als Aufruf zum Erwachen der User, es geht so vieles mit open source Lösungen oder intelligenten Kleinanbietern…

  4. On September 21st, 2012 at 15:53 Die Zukunft des Internet ist lokal – ffluid Says:

    [...] Was mich und Ali in diesem Podcast aber insbesondere interessiert, ist schlichtweg die Zukunft des Internet. Alis Vision davon, wie wir Menschen uns künftig über Technologie vernetzen werden ist brilliant. So werden mit Protonet aus den heute eigentlich nur herumstrahlenden WLAN Routern, eigene Sender die sich untereinander vernetzen können. Stellt euch vor aus Nachbarschaften werden wieder echte Gemeinschaften mit Projekten wie Stadteilwerkschaften oder Jugendhäusern wo sich Familien, Singles und Kinder einbringen können. Wie schön wäre es, wenn man die heute noch brachliegenden Fähigkeiten der Menschen die um einen herum wohnen, für das Allgemeinwohl nutzen könnte. Einige werden sagen das gibt es doch schon, was ist mit Kirchen, Vereinen und bestehenden Wohngemeinschaften? Richtig, aber wie so oft ist es die Technologie, die laut Ali als Katalysator für diese bisher kaum vernetzten Gemeinschaften unglaubliches leisten kann. Wenn man nur wüsste das drei Stockwerke über einem ein Architekt wohnt der bei der Planung eines Projektes nur allzu gerne helfen würde? Ich glaube nicht daran das die momentane Facebook-Euphorie der Weisheit letzter Schluss ist. Die Relevanz der Plattform ist zweifelsohne hoch und wird noch lange bestand haben, aber nicht mehr als Social Network Monopol. Ich glaube das es eine neue Bewegung der Metazentralität geben wird, wenn ich mal ein neues Wort schöpfen darf. Damit meine ich, dass wir unsere eigene kleine Cloud haben werden, entweder bei uns im Flur neben dem Telefon oder angemietet bei einem Dienstleister unseres Vertrauens, dem Tante Emma Laden für unsere digitalen Daten etwa. Jörn Hendrik Ast, jormason.com [...]

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