March12
Es ist so schwer und doch so einfach, wenn ich gefragt werde was ich so tue und warum; überlege ich je nach Gesprächspartner wie ich antworte. Kennt mein Gegenüber online Medien wie Twitter und Facebook im Sinne eigener Erfahrung die über Like Button und 20 Follower hinaus gehen, geht die Unterhaltung in einstimmiges Nicken über die gegebenen Möglichkeiten der “neuen Medien” über. Kennt mein Gegenüber online Medien wie Blogs und Location Based Services nicht, kommt man schnell auf Themen wie Medienkompetenz, Netzaktivismus und Vorratsdatenspeicherung.
Es gibt da ein Problem wenn ich von Aktionen wie dem Hamburger Carrotmob erzähle oder meinem Vlog beginners-mind.de. Es gibt auf beiden Seiten, denen die von der Netzwelt wenig Ahnung haben und denen die sich darin bewegen zuviele Diskrepanzen was Handhabung, Nutzen und Möglichkeiten angeht.
Und hey, ich bin Vertriebler! Ich habe gelernt mich zu verkaufen, mein Gegenüber mitzunehemen und nutzenorientiert zu argumentieren – forget it! Es scheint so als gebe es noch kein einheitliches Vokabular für die online Medien, sozialen Netzwerke, und mobile Apps dieser Welt. Es fühlt sich so an als ob die Großmutter um die vorletzte Jahrhundertwende den Lichtschalter andauernd ungläubig an und ausschaltet, nur war dieses Produkt weniger erklärungsbedürftig – die Glühbirne ersetzt die Kerze, bub!
Ich denke wir sind an einem Punkt gesellschaftlicher Entwicklung angekommen, wo das Folgen der technischen Entwicklungen so komplex geworden ist, dass gefühlte 60% der deutschen Bevölkerung nicht mitkommen. Wenn das Umlegen eines Schalters gleich die gesamte Timeline- Ansicht des Facebookprofils beeinflusst, so dass nur bestimmte Freundeslisten die eingestellten Fotos sehen können, dann hört es auf. Es ist nicht mehr “Klick- Licht an”, es geht darum ob es in Ordnung ist das Arbeitskollegen, Freunde und Familie die eingestellten Urlaubsfotos alle zugleich sehen können sollten und ob der Download der 60MB GF- Präse über den Server funktioniert hat.
Das Teilen von Fotos auf Facebook oder das Teilen von der letzten GJ- Hochrechung im Intranet folgt aber denselben Regeln. Nehme ich wahr was dort gepostet wurde? Wie folge ich dem Informations- Strom und wenn ich halbwegs gelernt habe diesem zu folgen, was mache ich mit den Kollegen, Freunden und Verwandten die sich dageben sträuben? Wo es doch so unfassbar viel Sinn macht umsonst und auch noch mit Videobild über Skype zu telefonieren und die Urlaubsfotos der in Brasilien lebenden Verwandten zu schicken?
Wir brauchen ein gemeinsames Vokabular, eine gemeinsames Verständnis über das was da in den letzen zehn Jahren passiert ist. Und wer glaubt das sich das auf Urlaubsfotos und Firmen- Wikis beschränkt…naja der schaltet im Grunde ungläubig Lichtschalter an und aus. Es ist an der Zeit für eine gemeinsame Sprache was die Digitalisierung unseres Lebens angeht. Ich bin es leid mich zu rechtfertigen warum ich regelmäßig über meinem iPhone brüte, ich finde es schade das ich einen unfassbar spannenden Bericht an Geschäftskontakte nur per Email verschicken und telefonisch darauf hinweisen muss, ich hätte Tränen in den Augen wenn meine Schwiegermama in Brasilien die Geburtstagsfotos meiner Tochter auch kommentieren würde.
Was braucht es um diesem Gefühl des Schockwellenreiters zu entkommen? Wird es ähnlich der Geschichte des gedruckten Buches sein, wo die Mönche noch achtzig Jahre nach der Erfindung Gutenbergs jede verfielfältige Bibel Korrektur gelesen haben?